Wechselstromnirvanagedicht
by Kurt Mondaugen
Steh’ dösend an der Haltestelle
Hab’ g’rad’ einen Film geseh’n –
Klima wandelt sich ganz eilig –
Und Wahrheit ist schwer unbequem
– das denk ich so – die Welt zu retten
wär’ heut’ mal wirklich elegant!
– ’Ne Bahn fährt los, starr auf das Lächeln
der Eon-Werbung an der Wand.
Da kommt ’ne Fee vorbeigeglitten,
flüstert: „Was die Werbung tut
von Eon, RWE, Envia –
Atomstromlächeln kommt nicht gut!“
– spricht meine Fee, erzählt dann weiter
von Öl und Kohle, CO²
– schnell pocht mein Herz, beim Klima retten
wär’ ich jetzt gern auch dabei.
Wir steh’n unter ’ner Starkstromleitung,
die Fee und ich – ’s hat mich erwischt!
Ich halt mich fest, dass ich nicht falle,
wenn jetzt durch meine Adern zischt
– der neue Strom der alten Sonne –
„Der Strom der Liebesenergie!“
sagt meine Fee ganz tief emphatisch,
und ich glaub’ ihr! – Jetzt oder nie!
Dann küßt sie mich, schon wechselt auch
mein Strom des Lebens seine Spur
selbst dies Gedicht wechselt den Rhythmus,
reimt sich vor Liebe gleich auf Natur.
Die Liebe fließt durch alle Poren
dank Wasserkraft, Photovoltaik
genüßlich zucken meine Chakren
bis ich ins Nirvana steig’!
– Wenn auch ihr euch lieben wollt,
und reimen euch auf Wind und Meer
dann wechselt schnell den Strom im Zähler
und werdet Steckdosen-Revolutionär!
(und mögt ihr’s lieber feminin:
dann werdet: Steckdosen-Revolutionärin!)
